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Offizielle Internetseite zum Projekt: www.hewl.net oder www.journeymen-research.net |
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Students as Journeymen Between Communities of Higher Education and Work Life Im Rahmen der internationalen Kooperation im Journeymen-Projekt wurden seit
September 2001 pro Land mehr als 100, das
heißt insgesamt ca.
400 Intensivinterviews mit Hilfe von strukturierten Frageleitfäden an den
vier beteiligten Universitäten durchgeführt. Das Ziel war
herauszufinden, wie Studierende und akademische Berufsanfänger ihre
Lernumwelt während des Studiums und zu Beginn der beruflichen Tätigkeit
begreifen und welche Rollen dabei dem Wissen, dem Kompetenzerwerb, den
Berufserfahrungen im Studium und ethischen Maßstäbe für die
bevorstehende Berufswahl zur Identitätsbildung zugeschrieben werden. Im
weiteren richtete sich das Forschungsinteresse auf die Rolle der universitären
Einrichtungen und darauf, wie Studierende deren Angebote hinsichtlich der
Lehrqualität und der Berufsrelevanz zu insgesamt drei unterschiedlichen
Zeitpunkten bewerten. Übersicht
des Aufbaus und der Themenbereiche im EU-Projekt „Journeymen“
Pro Kohorte wurden im Zuge der Studie zwischen 12 und 15 Interviewpartner befragt, deren Antworten in einem weiteren Schritt phänomenologisch ausgewertet wurden; die Interviews dienten den vier Partneruniversitäten im folgenden als Grundlage für kritische Diskursanalysen.[1] In diesem Vorlaufprojekt wurden bereits wichtige Erkenntnisse über die individuellen Berufserwartungen von Studierenden im Grund- und Hauptstudium (junior, bzw. senior students) gewonnen, die aus unterschiedlichen Hochschul- und Praxiserfahrungen resultieren. Das Projekt umfasst neben dem Querschnitt auch eine Längsschnittperspektive, wobei die Absolventengruppe ein Jahr später als Berufsanfänger befragt wurde. Dabei zielte das Forschungsinteresse vor allem auch auf die Erfahrungen und Einstellungen ab, die während des ersten Jahres nach dem Hochschulstudium gemacht und angenommen wurden, um somit mögliche Veränderungen und Konsistenzen in der Identitätsbildung zu dokumentieren. Auf der Grundlage der Längsschnitterhebung konnte dabei ein genauerer Einblick in die Übergangsprozesse von Hochschule und Berufsleben gewonnen werden, der eine Gegenüberstellung landesspezifischer Diskurse im Vergleich angeregt hat. [2] Dabei wurde deutlich, dass Studierende und Berufsanfänger mit Migrationshintergrund ihrem Studium und insbesondere ihrem Universitätsabschluss eine andere Bedeutung zumessen als die Mehrheit ihrer Kommilitonen. Einerseits thematisierten die Befragten Erfahrungen im Zusammenhang mit kulturellen, religiösen und nationalen Identitätskonflikten, zum anderen wird das Hochschulstudium als eine besondere Chance für den sozialen Aufstieg bewertet.[3] Vor dem Hintergrund der Arbeits- und Aussiedlermigration wird demnach der Zugang zu höherer Bildung als Privileg betrachtet, das der Elterngeneration in den meisten Zuwandererfamilien vorenthalten geblieben ist. Infolgedessen richtet sich das berufliche Interesse der angehenden Politikwissenschaftler und Erziehungswissenschaftler vornehmlich auf Tätigkeitsfelder, die im weiteren Sinne mit dem interkulturellen Zusammenleben von Zuwanderern und Deutschen einhergehen. Häufig schreiben sie sich selbst eine Vermittlerrolle[4] zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu und verweisen auf Probleme und Herausforderungen im Spannungsfeld von Integration und kultureller Tradition. Neben den individuellen Beweggründen erklären einige Studienanfänger der Fachrichtung Politikwissenschaften ihre Studienmotivation mit den weltpolitischen Ereignissen im September 2001 und verweisen auf ihr Interesse an den langanhaltenden Debatten um religiöse Auseinandersetzungen, etwa zwischen Vertretern christlicher und muslimischer Weltanschauungen. Vergleicht man die Aussagen der Befragten mit Migrationshintergrund jeweils zu Studienanfang und –ende, so könnte ein erweiterter Längsschnitt mit erfahrenen Berufstätigen (senior professionals) dazu dienen, die angedeuteten Integrationszusammenhänge und deren Problematik ausführlicher zu elaborieren. Die Studierenden, gleich welchen kulturellen
Hintergrundes, schilderten ihre Bemühungen, sich in der Arbeitswelt zu
etablieren, wobei vor allem die erworbenen kommunikativen, didaktischen
und wissenschaftstechnischen Kompetenzen als besonders wichtig für den
Einstieg in das Berufsleben eingeschätzt wurden.[5]
Das konkrete Fachwissen hingegen wird in seiner beruflichen Relevanz der
allgemeinen Handlungsfähigkeit untergeordnet. Allerdings haben viele
Studierende in Duisburg entweder bereits vor ihrem Studienantritt eine
erste Berufsausbildung absolviert oder aber parallel zu ihrer
studentischen eine berufliche Identität durch Teil- oder Vollzeittätigkeiten
entwickelt. Besonders die Erziehungswissenschaftler zeigen aufgrund der
von ihnen vorgenommenen Verknüpfung von Praxis und Studium und der
transdisziplinären Studienausrichtung die geringsten Probleme bei der
Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Diese Ergebnisse beziehen sich auf die
Situation der Berufsanfänger im ersten Arbeitsjahr.[6]
Da die ersten Arbeitsverhältnisse in der Regel befristet sind, bleibt
offen, inwiefern Pädagogen, Politologen und Psychologen ihr Berufsleben längerfristig
gestalten. Hierzu werden von möglichen Längsschnittuntersuchung
wichtige Aufschlüsse für die Situationen in den beteiligten Ländern
erwartet. Für die Transformationsprozesse zwischen Studium und Beruf konnten im Falle der deutschen und polnischen Psychologiestudenten am ehesten Hinweise auf „Identitätskrisen“ gefunden werden, die vor allem darauf zurückzuführen sind, dass die Erwartungen der Studienanfänger an das Fach Psychologie kaum mit der wahrgenommenen Studienrealität übereinstimmten. Während Erst- und Zweitsemester ein deutliches Interesse an klinischen und sozialen Fragen zum Ausdruck brachten und darüber hinaus das Studium als eine notwendiges Mittel der Welt- und Existenzdeutung verstehen, so werden sie im Laufe der folgenden Semester in ihren Erwartungen enttäuscht: Psychologie wird zunehmend als methodologisch anspruchsvolle „Humantechnologie“ wahrgenommen, die nur geringen Praxisbezug aufweist.[7] Für den Ausweg aus dieser Identitätskrise werden unterschiedliche Strategien gewählt, und infolgedessen wechseln im Hauptstudium viele Studierende das Fachgebiet oder konzentrieren sich auf selbstgeschaffene „Nischen“, in denen sie abseits des Studiums lernen, um alternative Qualifikationen zu erwerben.[8] Von den befragten Berufsanfängern war am Ende kein einziger in klinischen Arbeitsfeldern tätig, noch beabsichtigte jemand in den nächsten Jahren darin tätig zu werden. Diejenigen, die das Studium abschlossen, bemühten sich überwiegend um eine Tätigkeit in schulischer oder universitärer Lehre zumeist aus Abwägungen der zu erwartenden finanziellen Sicherheit[9] oder in einigen Fällen auch aus Ratlosigkeit hinsichtlich weiterer beruflicher Möglichkeiten. Die institutionelle und persönliche Betreuung bei der Berufsorientierung im Studium wurde auch in den beiden anderen Fächern als insgesamt unzureichend bewertet, wobei das Fach Politikwissenschaften in allen vier Ländern aufgrund seiner liberalen Ausrichtung als der geringste Beitrag zur unmittelbaren Berufsausbildung eingeschätzt wird. Ferner trägt die überaus vage Arbeitsmarktsituation dazu bei, dass die Politologen bei der Berufswahl den größten Schwierigkeiten gegenüberstehen. Gerade weil das Politologiestudium als eine sehr wissensorientierte und akademische Disziplin beschrieben wird, vermissen die jüngeren Studierenden den Bezug der Seminarinhalte zu praktischen Anwendungsgebieten und zur täglichen Politik. Vielfach und missverständlich wird von ihnen die Idee der Hochschullehre auf ein Dienstleistungsangebot reduziert, deren Aufgabe darin bestehe, Studierende übergangslos in den Beruf zu führen.[10] Eine dementsprechende Unsicherheit über die tatsächlichen Studienziele und den Zusammenhang zur politischen und gesellschaftlichen Praxis wurde selbst von Absolventen angesprochen. Erstaunlicherweise, fielen dabei Studierende mit Migrationshintergrund durch ihre verhältnismäßig klaren Vorstellungen und bisher erfolgreich eingeleiteten Berufsorientierungen auf. Die Vorstellung aus einer Vermittlerrolle heraus soziokulturelle Differenzen ausgleichen zu können, hatten hauptsächlich solche junge Migrantinnen, die sich über wissenschaftliche Projekt- und Lehrtätigkeit den Zugang zu einer Karriere an der Hochschule versprechen. Ihre beruflichen Aufgaben sahen die Befragten mehrheitlich in einer kritischen Auseinadersetzung mit den Konflikten, denen muslimische Mädchen zwischen westlicher Lebenswelt und traditionaler Verbundenheit der Eltern ausgesetzt sind, und mit der Ausbildungssituation (z.B. Evaluation von Qualifizierungsmaßnahmen) junger Menschen aus Zuwandererfamilien. Einige Studierende aus polnischen und türkischen Familien engagierten sich ehrenamtlich oder im Nebenjob im Bereich der Sprachförderung und Integrationsarbeit. In ihren Diplomarbeiten thematisierten einige Befragte beispielsweise Gefahren des religiösen Fundamentalismus, der Bildungsbenachteiligung, bestehende Präventionsmöglichkeiten gegen Rassismus oder die Lebensformen der zweiten Generation sowie Aspekte der Mehrsprachigkeit. Wenngleich alle Studierenden mit den gleichen Studienbedingungen konfrontiert waren, so bleibt doch aus dem Journeymen-Projekt eine Vielzahl an Fragen bezüglich der teils stark abweichenden Studiengestaltung offen, die noch aus einer erweiterten Längsschnittperspektive untersucht werden müssten (siehe Kapitel 3). Für die Bildungs- und Berufsbiographien der befragten Jungakademiker scheinen kulturelle, soziale, politische und religiöse Hintergründe der Migration eine immer größer werdende persönliche Bedeutung zu erhalten. Daraus resultiert u.a. die weiterführende Fragestellung, welchen konstruktiven Beitrag jene etablierten Fachkräfte in Hochschul- und anderen Berufsbereichen für die Integration von Zuwanderern selbst leisten wollen und wie sie die bisherigen Integrationsbemühungen – sowohl aus der Perspektive von Migranten als auch von Deutschen – als nachhaltig einschätzen. Die große Mehrheit der Zuwanderergruppen in Deutschland fand nur höchst
vereinzelt Gelegenheit, an den gesellschaftspolitischen Diskursen zu ihrer
Eingliederung teilzunehmen und damit zu ihrer gleichberechtigten Teilhabe
an allen gesellschaftlichen Bereichen beizutragen. Deshalb sollten
insbesondere bildungserfolgreiche Jungakademiker danach befragt werden, ob
sie in der eigenen Migrationserfahrung und ihrer Bildungsbiographie eine
Relevanz für zukünftige Tätigkeitsfelder sehen. Es liegt nahe, dass
gerade Aufgaben, die zur Eingliederungsförderung beitragen und den
Einzelnen als einen kompetenten Ratgeber und zivilgesellschaftlichen
Integrationsakteur verstehen, favorisiert
werden. Die Untersuchung des im Studium erworbenen Wissen und die darauf
basierenden Handlungskompetenzen bieten jedenfalls - so die
Schlussfolgerung aus den komparativen Journeymen-Befunden
- wertvolle Anregungen für die Neukonzeption weiterführender Längsschnittstudien
und aussichtsreiche Chancen an den beteiligten europäischen
Hochschulstandorten wertvolle Erkenntnisse zu den genannten Fragekomplexen
zu gewinnen. Titel der bisherigen Forschungsberichte Im
Projekt Students as Journeymen Between Communities of Higher Education
and Work (HPSE CT-2001–00068) wurden bisher folgende
Forschungsberichte verfasst, die als Grundlage für die
Abschlusspublikationen ab Sommer 2004 in Buchform und in digitaler Form
dienen:
[1]
Außerdem wurde erhoben bzw. zwischenzeitlich durchgeführt:
Soziodemographische Daten der Befragten; Diskursanalysen anhand von
Auswertungen der empirischen Befunde, Studienordnungen, Curricula und
weiteren Textquellen zur Hochschulpolitik und zur
Arbeitsmarktsituation [2]
siehe dazu: Understanding the Transition from Higher Education to Work
Life, Mai 2004 [3]
Dazu zwei exemplarische Aussagen angehender Politikwissenschaftler mit
Migrationshintergrund: a) Das Studieren bedeutete für mich höhere Ziele zu
verfolgen. Denn ich sehe es als ein Privileg an, die Chance zu haben,
studieren zu können, und ich bin sehr stolz wegen dieser Tatsache.
(Absolvent aus polnischer Spätaussiedlerfamilie),
b) Ich wusste nicht welcher Beruf gut zu mir passen würde. Ich
wollte es mal einfacher haben als meine Eltern und die Bedingungen des
Migrantenstatus überwinden (Absolventin aus türkischer
Gastarbeiterfamilie), Senior Students on Higher Education and Work
Life, Januar 2003, S.54 [4]
Diese besondere Vermittlerrolle von Studierenden und Jungakademikern
mit Migrationshintergrund wurde sowohl von den befragten Studienanfängern
und Absolventen als auch von den Berufsanfängern angesprochen. [5] siehe dazu im Kapitel: A comparative analysis in Understanding the Transition from Higher Education to Work Life, April 2004, S.63 ff. [6] Von allen Erziehungswissenschaftlern (novices), war lediglich eine Person ohne feste Anstellung. Siehe dazu: Developing Professional Identity, Educational Science in Germany January 2004, S.76 [7]
vgl. Understanding the Transition from Higher Education to Work Life,
April 2004, S.44 ff. [8]
vgl. Education and Work: Discourse Analysis of Liberal and
Professional Programmes at the University, June 2003 und National
Comparison of Freshmen and Senior Students, April 2003. [9]
siehe hierzu Kapitel: Novices as school-teachers due to economic
considerations, in: Developing Professional Identity January 2004,
S.70.
[10] vgl. Education and Work: Discourse Analysis of Liberal and Professional Programmes at the University, June 2003. Projektlaufzeit: Projektleitung: Projektmitarbeiter: |
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